Burnout? Nein Danke! Ein Wochenende voller Höhen und Tiefen
Grand Hotel Kronenhof in Pontresina in Zusammenarbeit mit einem
Expertenteam der Klinik GUT, St. Moritz.
Max Scheerle, Psychosomatische Energetik und energetische Psycholgie
Dr. Frédéric Peroni, Sportmediziner und Leistungsdiagnostiker
Viviane Schmitz, Diplom-Sportlehrerin und Entspannungspädagogin
Anette Caminada, Dipl. Ernährungstherapeutin & SportErnährungsCoach
Albrecht Fischer, Personal Trainer im Grand Hotel Kronenhof und Schnittstelle
zwischen Hotel und Klinik.
"Wieder ein Wochenende nicht zu Hause, das stresst mich schon". Was ist
Stress? Jeder hat ihn, ob Hausfrau oder Manager, ob Arbeiter oder Angestellter.
Darüber spricht man nicht, man nimmt ihn hin. Er gehört zum Lifestyle des 21.
Jahrhunderts. Aber muss das so sein? Und erkennt man rechtzeitig, dass es an
die Substanz geht? Spüre ich, dass ich mich einem Burnout nähere? Mir geht es
doch gut!
Donnerstag, 9. Juli 2009
Nach einer ereignislosen, aber angenehmen Fahrt von
München nach Pontresina kamen wir im Grand Hotel
Kronenhof an. Das unter Denkmalschutz stehende
Fünf-Sterne-Haus mit 112 Zimmern und Suiten befindet
sich im Herzen des Bergdorfes in sonniger Lage auf
1.800 Meter Höhe, sechs Kilometer von St. Moritz
entfernt. Es wurde in den vergangenen Jahren renoviert
und baulich erweitert. Besonders das neue Spa auf über
2.000 Quadratmetern zählt heute zu den eindrucksvollsten
Wellnessanlagen der Alpen.
Wir trafen uns alle zu einer Erstbesprechung im Rahmen eines Wochenendprogramms
für mehr Balance und Lebensqualität im Alltag. Wir sollen alle
erfahren, wie unser aktuelles Stressniveau und der Status Quo der körperlichen
Leistungsfähigkeit aussehen. Na das kann ja heiter werden…wann war ich zum
letzten Mal wirklich Laufen oder Walken? Bereue ich nun den Biergartenbesuch
und die vielen Aperitifs der vergangenen Monate? Tägliche Arbeitsstunden von
8.00 bis 19.00 Uhr sind bestimmt auch nicht gut!
Auf jeden Fall hatten wir einen wunderbaren Abend im Kronenstübli, das mit 16
Gault Millau-Punkten ausgezeichnete Gourmetrestaurant des Hotels. Eine
Gnadenfrist?
Freitag, 10. Juli 2009
Ich habe nicht gut geschlafen. Das Zimmer ist wunderbar und die Matratze nicht
zu weich, aber ich bin jede Stunde aufgewacht. Die Höhenluft! Badeanzug an und
ab zum Pool. Nach ein paar Runden geht es schon besser. Um 8.00 Uhr erwartet
uns dann Albrecht, Personal Trainer des Hotels, zum Aqua Gym. Ja, ja
Hausfrauen-Plantschen. Weit gefehlt! Nach einigen Übungen mit einem Brett ging
er zu Koordinationsübungen über. Er zeigte uns Übungen, die jemand mit einem
Burnout-Syndrom, nicht mehr ausführen könnte. Ich machte auch keine gute
Figur. Burnout-Gefahr.
Anschließend verbanden wir das Angenehme mit dem
Gesunden. Wir fuhren zur Alpkäserei Morteratsch, rund 15
Autominuten vom Grand Hotel Kronenhof entfernt. Nach einem
leckeren Frühstück im Freien und einer Besichtigung der noch
sehr ursprünglichen Käserei brachen wir zu einer Nordic
Walking Stunde ins Val Morteratsch auf. Pulsuhren hatten wir
am Abend zuvor schon erhalten, aber wir sollten den Puls
heute noch komplett ignorieren. Nach ein paar Einweisungen
ging es ganz gut. Die Bergwelt ist wirklich bezaubernd und die
Sonne tat gut.
Zurück im Hotel saßen wir auf der Terrasse des Pavillons und
verspeisten ein leckeres Mittagessen.
Und dann kam, was kommen musste. Die Stunden der Wahrheit begannen mit
der Stresswertmessung von Max Scheerle. Hierbei stellt er mit der Heart-Rate-
Variability-Messmethode den Zustand des Autonomen Nervensystems (ANS) fest
und kann dadurch Aussagen über das vorliegende Stressniveau und des bei der
betroffenen Person vorhandenen Stressverarbeitungsvermögens treffen.
Überhöhter Stress, speziell, wenn er dauerhaft ist, schränkt die Funktionalität
des ANS ein und somit generell die Leistungsfähigkeit, ob im Beruf, in der Familie
oder im allgemeinen Umfeld. Ein eingeschränktes ANS bedeutet zudem ein
eingeschränktes Regenerations- und Immunsystem, was wiederum in letzter
Konsequenz zu Krankheit führt. Wenn also eine Burnout-Tendenz in einem sehr
frühen Stadium erfasst wird, ist es möglich, mit großer Erfolgsaussicht einen
Burnout zu verhindern, indem das innere Gleichgewicht wieder hergestellt wird.
Tja, was soll ich sagen. Ich war geschockt. Meine Werte sind schlecht und ich bin
doch erst 40. Brauchte ich dieses Ergebnis, um wachgerüttelt zu werden und
mich endlich auch mal um mich zu kümmern? Mir fiel das Atmen schwer und ich
war deprimiert. Und jetzt? Mit 45 einen Herzinfarkt? Das will ich natürlich nicht.
Max beruhigte mich und übte die "Freeze-Frame-Herzintelligenzübung" mit mir.
Wichtig dabei ist, sich eine Auszeit zu nehmen, in sich hineinzuhorchen, auf sein
Herz zu hören und an ein positives, glückliches Erlebnis zu denken. Wenn man
dann immer wieder mal Atemübungen macht, soll man sich an das gute Gefühl
erinnern. Es funktioniert!
Was konnte nun noch Schlimmeres kommen? Nicht viel! Zur
Leistungsdiagnostik brachte ich den ausgefüllten Anamnese-
Bogen mit. Ich wurde von Dr. Frédéric Peroni begrüßt, gewogen
und Blutdruck gemessen. Na ja, ein paar Kilos weniger wären
schon gut J aber noch ist alles im grünen Bereich. Anschließend
wurde ich mit Elektroden und ein Messgerät für ein Belastungs-
EKG versehen. Ich sah mich schon mit Netzhemd und blanker
Brust strampeln. Zu meiner Erleichterung durfte ich mein T-Shirt
wieder anziehen. Dann ging es auf ein Fahrrad und ich musste
mich auf eine Geschwindigkeit einlassen, die ich die ganzen 12
Minuten bei vier Belastungsstufen beibehalten sollte. Und dann
stach er mehrmals in mein Ohrläppchen, um Blut für den
Laktattest zu nehmen.
Wenn während einer intensiven Belastung der über die Atmung aufgenommene
Sauerstoff nicht ganz ausreicht, um den im Muskel benötigten Energiebedarf
(ATP, energiereiche Phosphate) zur Muskelkontraktion zu decken, entsteht das
saure Stoffwechselprodukt Laktat (der arbeitenden Muskulatur steht nicht genug
Sauerstoff zur Verfügung, so dass sie auf eine energetisch ungünstigere
Energiegewinnung wechseln muss). "Ach, daher stammt der Ausdruck der
Muskel übersäuert". Bei steigender Belastung nimmt die Laktatbildung und
Verstoffwechslung zu; dabei wird irgendwann eine Intensität erreicht, bei der die
Bildung gerade noch der Elimination entspricht (Gleichgewicht!). Diesen Bereich
von 4 mmol/l Laktat bezeichnet die Sportmedizin als maximales Laktat-steadystate,
aerob-anaerobe Schwelle oder Fettstoffwechselschwelle, die im Cardio-
/Fettstoffwechseltraining nicht überschritten werden sollte.
Meine optimale Trainingsherzfrequenz wurde nun ermittelt und am nächsten Tag
soll ich ein individuelles Trainingsprogramm erhalten. Dann war etwas Freizeit
angesagt. Um 18.30 Uhr trafen wir uns zum Ernährungsvortrag von Dipl.
Ernährungstherapeutin Anette Caminada. Ernährung und Stress oder Stress und
Ernährung – ein spannendes Thema für Jedermann.
Muss man auf Kaffee verzichten? Sollte man 3 Liter Wasser am Tag trinken?
Sollte man abends auf Kohlenhydrate verzichten und nur Proteine, Gemüse und
Salate zu sich nehmen? Wie nimmt man dauerhaft ab? Auch hier spielt das
Individuum und seine Essgewohnheiten eine große Rolle. Ich nehme viele Tipps
und Anregungen mit nach Hause.
Apropos Essen – am Abend saßen wir mit unserem Expertenteam im edlen Grand
Restaurant und ließen uns das viergängige Vital-Menü schmecken. Auch ein
Gläschen Wein war erlaubt.
Samstag, 11. Juli 2009
Heute begann der Tag um 8.00 Uhr mit Gymnastik
und kleinen Krafttrainingseinheiten, alles rund um
den Ball. Den könnte ich mir auch kaufen! Danach
fühlten wir uns recht fit, vor allem fit für das
Frühstück. Im Anschluss kam das Entspannungsprogramm
zum Zuge. Ich entspannte bei einem
Hydrojetbad mit Kräuteressenzen, einer Ganzkörperpackung
mit entschlackender Erde und einer
Teilmassage. Meine Therapeutin Marion konzentrierte
sich dabei auf meine Beine. Der Druck war
genau richtig, ich mag keine Streichelmassagen.
Das war klasse!
Anschließend lauschten wir dem Vortrag von Dr. Peroni, der uns über die
wissenschaftlichen Fakten der Leistungsdiagnostik informierte.
Am Nachmittag kamen unsere Trainingsauswertungen
und die Pulsuhren zum Einsatz. Diplom-
Sportlehrerin Viviane Schmitz zeigte uns den
Umgang mit der Pulsuhr und besprach mit jedem die
Auswertung. So lernte ich meine Herzfrequenz für
ein Grundlagenausdauertraining kennen, genauso
wie die anaerobe Schwelle (sie definiert die
höchstmögliche Belastungsintensität, welche noch
ohne zunehmende Übersäuerung stattfinden kann.
Es herrscht ein Gleichgewichtszustand zwischen
Sauerstoffbedarf und Sauerstoffaufnahme).
Wir liefen, die einen joggten - die anderen walkten, mit unterschiedlichen
Frequenzen und unterschiedlicher Schnelligkeit. Jeder sollte nach seinen
Vorgaben agieren. Nach zirka zwei Stunden mit vielen Pausen für Fragen und
Erklärungen kehrten wir wieder ins Hotel zurück.
Nach einer kurzen Erfrischung gab uns Max Scheerle noch ein paar Informationen
zur Stresswertmessung und Stand für Fragen zur Verfügung.
Beim Vital-Abendessen hatten wir natürlich viele Dinge zu besprechen.
Sonntag, 12. Juli 2009
Heute habe ich schon besser geschlafen. Nach einer halben Stunde Fit in den Tag
ging es zum Feedback-Gespräch mit unseren Experten. Hier konnten wir
Anregungen und Kritik austauschen.
Mein persönliches Fazit ist: Ich kann so nicht weitermachen und verstehe, warum
nicht. Ich bin nicht unverwüstlich und Gefühle und persönliche Eindrücke können
täuschen. Natürlich kann und will ich nicht alles hinwerfen und ein anderes Leben
beginnen, aber ich muss mir Zeit geben und mir immer wieder bewusst machen,
dass ich eine Chance erhalten habe, etwas zu ändern.
Seit zwei Wochen gehe ich nun morgens jeden zweiten Tag 45 Minuten zum
Walken, fahre mit dem Fahrrad in die Arbeit, trainiere meine Muskeln zwei bis
dreimal die Woche im Fitnessstudio und achte auf meine Ernährung. Eine Pulsuhr
zur Kontrolle aber vor allem zur Motivation habe ich mir auch zugelegt. Aber am
wichtigsten ist es, dass ich mir Pausen und Ruhephasen gönne. Wenn ich abends
nach Hause komme, renne ich nicht zuerst in die Küche, sondern entspanne mich
ein paar Minuten auf dem Sofa - ohne Fernseher, ohne Radio. Die Ruhe tut mir
gut und lässt mich runter kommen.
Ich hoffe, ich halte durch! Gut, dass ich auch das Team jederzeit per E-Mail oder
Telefon erreichen kann. Fragen habe ich ja noch viele und Zuspruch ist auch
manchmal von Nöten. In einem Jahr komme ich wieder und werde einen neuen
Status Quo machen. Versprochen!
Juli 2009
CS